Ein Dorf an einem großen Strom, tief in der russischen Provinz gelegen, wo nichts hingelangt, außer, es wird vom Fluss angeschwemmt oder kommt aus früheren Zeiten, wie Iljas Quecksilber-Röhrchen, mit dem er das Wetter und andere Sachen vorhersagt. Die Bewohner glauben an das, was der Dorfälteste sagt, leben so, wie es immer getan haben, seit hunderten von Jahren.
Die russische Revolution hat längst stattgefunden, es dauert lange, bis die Bewohner den Hauch einer Veränderung spüren, eine Ahnung vom Untergang des Zarenreichs bekommen, ausgelöst durch das Auftreten eines mysteriösen Fremden, Wadik.
Die Erzählung ist archaisch, mystisch, herausgelöst aus allem, gleichzeitig aber stark und tiefgehend, die Figurenkonstellation hatte in ihrer Abgeschlossenheit etwas Inszeniertes, ich könnte mir das ganze gut auf einer Bühne vorstellen.
Marfutova erzeugt in ihrem Debütroman eine interessante Konfrontation von Konzepten, wie etwa Religion vs. Aberglauben, Tradition vs. Innovation, Monarchie vs. Sozialismus, erzählt von dörflichen und familiären Strukturen, vom Menschsein in einer Zeit, in der der Fortschritt noch keinen Einzug erhalten hat.
Auch wenn das Buch durchaus herausfordernd ist, war ich nach der Lektüre wunderbar beseelt und hatte das Gefühl, etwas ganz besonderes gelesen zu haben, eine starke Stimme, die auf sehr poetische Weise etwas zeitloses erzählt. Speziell, aber sehr stark und aussagekräftig!
Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar.