Linguist Sando wirkt ziemlich lost, seine Beziehung mit dem Fuchs ist zu Ende, er befindet sich in einer Art Schockstarre. Von seiner Schwester Mili hört er, dass ihre Mutter verschwunden ist, also fahren sie gemeinsam zum Vater, um mehr herauszufinden.
In Rückblenden erfährt man von Sandos Mutter Clara und seiner ungewöhnlichen Kindheit. Die Mutter entschied sich in den 80er Jahren zu studieren und zog gemeinsam mit Sando und seiner Schwester ins Studentenwohnheim Schlachtensee in West-Berlin.
Ich mochte die außergewöhnliche und mutige Entscheidung der Mutter für das Studium sehr, gerade weil das Muttersein auch heute noch an viele gesellschaftliche Erwartungen geknüpft ist, Personen, die sich davon befreien feiere ich sehr. Lena Müller spannt ihre Geschichte anhand der gegensätzlichen Lebensentwürfe der Eltern auf, und man findet sich, genau wie auch Sando und Mili, irgendwo dazwischen wieder.
Das Buch ist sprachlich reichhaltig, mit Sätzen, die ihre ganz eigene Poesie haben, aber auch eine gewisse Ruhe, so als hätten sie alle Zeit der Welt. Das Buch erzählt vom Muttersein und von dem, was alle Menschen umtreibt: Liebe, Aufbruch, die Sehnsucht nach Freiheit und das Zurechtfinden in einer Gesellschaft, die es einem nicht einfach macht. 124 richtig gute Seiten, die mir ein echtes kleines Highlight beschert haben.